1. Erinnerung als demokratischer Auftrag
  2. Menschen werden nicht als Helden geboren
  3. Demokratie lebt von Verantwortung

Erinnerung als demokratischer Auftrag

Im Ehrenhof des Bendlerblocks hat Bundesministerin Karin Prien eine eindringliche Gedenkrede gehalten. Der 20. Juli ist der offizielle Gedenktag zur Erinnerung an den militärischen und zivilen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Am 20. Juli 1944 ließ Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine Bombe im Führerhauptquartier Wolfsschanze in Ostpreußen detonieren.

Der Bendlerblock ist ein Ort, an dem die Helden des 20. Juli 1944 erschossen wurden. Die Inschrift der Gedenktafel im Ehrenhof erinnert dabei an fünf der wichtigsten Akteure des Attentats: Generaloberst Ludwig Beck, General der Infanterie Friedrich Olbricht, Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Oberst Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Oberleutnant Werner von Haeften.

Prien betonte in ihrer Rede: Der Widerstand des 20. Juli erinnert daran, dass Demokratie nicht allein durch Institutionen gestützt wird. Sie lebt auch von einer Ethik der bürgerlichen Verantwortung, von Menschen, die bereit sind, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen, auch wenn dies unbequem ist.

Menschen werden nicht als Helden geboren

Die Ministerin sprach dabei auch als Enkelin eines jüdischen Holocaust-Überlebenden. Ihr Großvater Dr. Hans Kraus überlebte die Verfolgung mit viel Glück und dank der Hilfe mutiger Menschen. Viele seiner Angehörigen wurden ermordet.

Prien erinnerte in ihrer Rede auch an Hilde Coppi, eine junge Widerstandskämpferin der Roten Kapelle. Hilde Coppi war jung, verliebt und schwanger. Doch sie war nicht bereit, Unrecht hinzunehmen. Selbst im Gefängnis half sie anderen Frauen. 1943 wurde sie in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

„Hilde Coppi konnte das Leid anderer nicht ausblenden. Gerade ihre Menschlichkeit machte den Widerstand möglich.“ Karin Prien

Zugleich betonte Prien, dass Geschichte des Widerstands uns zeigt, dass Menschen nicht als Helden geboren werden.

„Vielleicht ist das die wichtigste Lehre des 20. Juli. Nicht die Frage, ob wir eines Tages zu Heldinnen oder Helden werden, sondern ob wir jeden Tag Menschen sind, die den Mut haben, ihrem Gewissen zu folgen.“ Karin Prien

Demokratie lebt von Verantwortung

Prien warnt zugleich davor, Demokratie für selbstverständlich zu halten. Demokratien verschwinden nicht über Nacht. Sie werden schleichend geschwächt – durch Gleichgültigkeit, Rückzug und Schweigen angesichts von Unrecht.

„Die Freiheit von morgen entscheidet sich in unserem Handeln heute.“ Karin Prien