Adenauers erste Ministerin: Elisabeth Schwarzhaupt
Konrad Adenauer wollte sie nicht als Ministerin. Er ernannte sie dennoch. 1961 wurde Elisabeth Schwarzhaupt die erste Frau in einem Kabinett der Bundesregierung. Am 7. Januar vor 125 Jahren wurde sie geboren.


- Erfahrene Juristin und gläubige Christin
- Engagierte Politikerin und Demokratin
- Politische Wirkung bis heute
- Kämpferin für echte Gleichberechtigung
Sollen Frauen studieren? Heute ist das in Deutschland selbstverständlich. 1920 war ein Frauenstudium die Ausnahme. Auf 81.000 Studenten kamen gerade einmal 8.000 Studentinnen. Eine von ihnen war Elisabeth Schwarzhaupt, die mit Fleiß und juristischer Brillianz ihren Weg ging.
Erfahrene Juristin und gläubige Christin
Nach ihrem Studium arbeitete sie Beraterin für Frauenrechte in Frankfurt am Main. Sie wurde beauftragte Richterin in Frankfurt und Dortmund – bis die Nationalsozialisten Frauen aus diesem Amt vertrieben. Ihren Mut bewies sie bereits 1932, als sie öffentlich vor der NSDAP warnte. Nach dem Krieg fand sie ihre politische Heimat in der CDU und setzte sich in der Evangelischen Kirche für die Rechte von Frauen ein.
1935 begann Schwarzhaupt ihre Arbeit für die Deutsche Evangelische Kirche. In der deren Kanzlei in Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging sie zurück nach Frankfurt, arbeitete dort von 1947 bis 1953 im Außenamt der Evangelischen Kirche. Zuletzt war sie Oberkirchenrätin und Geschäftsführerin der Evangelischen Frauenarbeit. Nach dem Ende ihrer Minister- und ihrer Abgeordnetenzeit engagierte sie sich Evangelischen Frauenbund.
Engagierte Politikerin und Demokratin
Elisabeth Schwarzhaupt interessierte sich früh für Politik. Schon 1932 warnte sie vor den Gefahren, die von den Nazis ausgingen. Sie engagierte sich bis 1933 für die DVP. 1953 wurde sie Mitglied der CDU und Mitglied des Deutschen Bundestages – dem sie bis 1969 angehörte. Schon nach vier Jahren als MdB wurde sie stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag.
Ihr Lohn für harte Arbeit war 1961 das Ministerium für Gesundheitswesen. Adenauer wollte Schwarzhaupt verhindern. Aber eine Sitzblockade von CDU-Frauen vor dem Kabinettssaal im Kanzleramt „überzeugte“ ihn. Das neue Ministerium wurde eigens für sie geschaffen. Sie behielt es auch unter Adenauers Nachfolger Ludwig Erhard.
Politische Wirkung bis heute
Einige ihrer eigenen Neuerungen im Amt wirken bis heute nach: Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf Lebensmitteln sowie die Kennzeichnung von Fremdstoffen in Nahrungsmitteln wurden von ihr veranlasst. Sie erließ die ersten Umweltschutzverordnungen zur Reinhaltung des Wassers und der Luft.
Als Contergan-Schäden bei Neugeborenen auftauchten, reformierte Schwarzhaupt das Arzneimittelgesetz. Medikamente mussten vor ihrer Einführung auf Schäden bei Embryos getestet werden. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt 1966 setzte sie sich für gleiche Rechte unehelicher Kinder ein. Ihre Position wurde weitgehend denen ehelicher Kinder gleichgestellt.
Kämpferin für echte Gleichberechtigung
Als erste Frau in einer Bundesregierung ebnete Elisabeth Schwarzhaupt im Westen Deutschlands den Weg zur Gleichberechtigung – auch in der Politik Ihr wohl wichtigster politischer Sieg betraf das Familienrecht: Schwarzhaupt setzte durch, dass Ehemänner bei Streitfragen nicht mehr allein das letzte Wort haben dürfen. Dabei bewies sie Rückgrat. Überzeugt von der Sache stimmte sie 1957 sogar gegen die Mehrheit der eigenen Fraktion. Elisabeth Schwarzhaupt ebnete den Weg für alle Frauen in der deutschen Politik.
Sie arbeitete auch nach 1966 weiter für gleiche Rechte und Chancen – unter anderem beim Deutschen Frauenrat, dem Deutschen Akademikerinnenbund und dem Deutschen Juristinnenbund. Sie war eine Demokratin der ersten Stunde, die bewies: Die CDU ist die Partei, die den Mut zu historischen Premieren hat.



