Ehrenamt als Vorteil bei Bewerbungen.
Es zeichnet Ehrenamtler aus, dass sie ihr Engagement immer wahrsten Sinne des Wortes als „Ehre“ verstehen und nicht als erstes fragen: „Lohnt sich das?“ oder „Was bekomme ich dafür?“. Und dennoch können wir alle noch mehr tun, um diesen Menschen ihr Engagement zu erleichtern bzw. sie dafür zu belohnen. Das gilt für den Staat, aber auch für Unternehmen. Viele engagieren sich bereits vor allem im Sport- und Kulturbereich, aber das reicht nicht. Gerade mit Blick auf die aktuelle gesellschaftliche Lage wünsche ich mir, dass wir diesen Einsatz noch stärker auf andere Bereiche ausdehnen. Ganz viele Firmen ermöglichen ihren Mitarbeitern bereits, einem ehrenamtlichen Engagement nachzugehen. Das ist großartig. Aber es muss eben noch selbstverständlicher werden. Vorgesetzte sollten nicht mehr die Augen verdrehen, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter sich stärker um sein Ehrenamt kümmern will.
Ehrenamtliches Engagement muss eine stärkere Rolle in Bewerbungsverfahren spielen. Für den oder die Mechatroniker-Bewerber/in sollte es ein Pluspunkt sein, wenn er oder sie nebenbei in der Freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein oder der Seniorenbetreuung aktiv ist. Es ist ganz immer ein Plus, wenn Bewerber zwei Fremdsprachen fließend beherrschen oder mal im Ausland gearbeitet haben. Doch ist es für Bewerberinnen und Bewerber wie für Unternehmen auch wichtig, dass man sich in seinem Leben auch mal ehrenamtlich für seine Mitmenschen eingesetzt hat. Für Firmen ist es immer ein Gewinn, wenn sie ehrenamtlich Tätige beschäftigen.
31 Millionen Menschen – rund die Hälfte aller Wahlberechtigten – engagieren sich in unserem Land ehrenamtlich – von der Feuerwehr über den Tierschutz, die Kommunalpolitik bis zur Hausaufgabenbetreuung. Sie alle sind Deutschlands große, aber stille Helden, deren Einsatz und deren Verdienst nicht hoch genug gewürdigt werden kann.
Es ist klar, dass wir das Ehrenamt fördern wollen. Deshalb hat die CDU dafür gesorgt, dass die steuerlichen Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagements verbessert, die Aufwandsentschädigungen erhöht, ehrenamtlich Tätige und Vereine von Bürokratie entlastet und Haftungserleichterungen beschlossen wurden. Leider müssen wir aber selbstkritisch festhalten, dass wir als Politik manchmal den Ehrenamtlern auch das Leben schwer machen. Ich denke hier an die Umsetzung der Datenschutzverordnung oder andere übertriebene Bürokratie. Positiv ist auf jeden Fall, dass das Bundesfinanzministerium weiterhin auf die Gemeinnützigkeit von Vereinen setzt.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Ehrenamtlichen in Deutschland bedanken. Die stärkere Wertschätzung des Ehrenamtes, wäre ein weiterer Schritt, wie unsere Gemeinschaft „Danke“ sagen könnte an all die Millionen Helden unseres Landes.
Annegret Kramp-Karrenbauer ist Vorsitzende der CDU Deutschlands und Bundesministerin der Verteidigung.
Der Gastbeitrag erschien am 05. Dezember 2019 auf n-tv.de.