Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrer Regierungserklärung im Bundestag betont, dass der Einsatz in Afghanistan nicht vergebens gewesen sei. So sei die Kindersterblichkeit in den vergangenen 20 Jahren halbiert worden, 70 Prozent der Afghanen hätten nun Zugang zu Trinkwasser, mehr als 90 Prozent Zugang zu Strom. Aber: „Die Entwicklungen der letzten Tage sind furchtbar, sie sind bitter“, sagte Merkel und ergänzte: „Für viele Menschen in Afghanistan sind sie eine einzige Tragödie.“ Viele Menschen hätten große Angst. Damit müsse sich die Politik jetzt auseinandersetzen. Zugleich kündigte sie das Ende der Luftbrücke an. Dies dürfe aber nicht heißen, dass danach vor allem ehemalige Ortskräfte und andere Menschen in Not in Afghanistan nicht geschützt würden, sagt Merkel. Darüber werde „auf allen Ebenen“ gesprochen.

Fokus liegt auf Evakuierung

Ihre Gedanken seien bei den Soldatinnen und Soldaten, die ihren Einsatz mit ihrem Leben bezahlt hätten, unter ihnen auch 59 Deutsche, sowie bei denen, die durch ihren Einsatz in Afghanistan bleibende Verletzungen an Leib und Seele davongetragen hätten. In persönlichen Worten erwähnte sie dabei auch einen ihrer früheren Personenschützer, der bei einem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr getötet worden war.

Der Fokus des Einsatzes läge nun darauf, die Evakuierungen so lange wie möglich fortzusetzen und Hilfe für die Menschen vor Ort zu sichern – etwa durch Millionen für das UN-Flüchtlingswerk und das Welternährungsprogramm. Merkel zeigte sich überzeugt: „Auch wenn es in dieser bitteren Stunde nicht danach aussieht: ich bin und bleibe der festen Überzeugung, dass keine Gewalt und keine Ideologie den Drang der Menschen nach Freiheit, nach Gerechtigkeit und nach Frieden dauerhaft aufhalten können.“

4600 Menschen bisher gerettet

Laut der Bundeskanzlerin hat die Bundeswehr bislang mehr als 4600 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Es seien Personen aus insgesamt 45 Nationen, sagt sie. Fast die Hälfte der Evakuierten seien Frauen. Merkel betont, es habe keinen Sonderweg Deutschlands in Afghanistan gegeben. Alles geschehe in enger Abstimmung mit den Verbündeten.