8. August 1989: Die Ständige Vertretung in Ost-Berlin schließt ihre Türen

08.08.2019

8. August 1989: Die Ständige Vertretung in Ost-Berlin schließt ihre Türen

Heute vor 30 Jahren schloss die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Ost-Berlin ihre Türen. Der Grund dafür war schlicht „Überfüllung“: Mehr als 130 DDR-Bürger hatten in ihren Räumen Zuflucht vor der SED-Diktatur gesucht. Ihr Ziel war eine schnelle Ausreise in die Bundesrepublik.

Botschaften gab es nicht zwischen Bundesrepublik und DDR. An ihre Stelle traten die Ständigen Vertretungen in Berlin und in Bonn. Wie so oft war es vor allem der Name, der den Unterschied machte. Denn die Ständigen Vertretungen waren de facto eben doch Botschaften. Ihr Bereich galt als Staatsgebiet der Bundesrepublik in Berlin Ost bzw. der DDR in Bonn. Zugang und Zugriff durch Staatsorgane waren tabu.

Auch deshalb kampierten ab dem 8. August 1989 auf den 400 Quadratmetern der Ständigen Vertretung in der Hannoverschen Straße in Berlin Ost über 130 ausreisewillige DDR-Bürger. Es war kein normaler Betrieb mehr möglich. Die Ständige Vertretung, die für Anliegen von DDR-Bürgern an die Bundesrepublik vorgesehen war, musste wegen Überfüllung schließen. Genau einen Monat verbrachten die Bürger in den Räumlichkeiten in der Hannoverschen Straße, die dafür selbstredend nicht ausgelegt waren. Lebensmittel mussten geliefert werden und die hygienischen Bedingungen waren miserabel. Doch der Wunsch auf ein Leben in Freiheit in Westdeutschland war groß. Und so blieben die DDR-Bürger in der Ständigen Vertretung, in der Hoffnung, sich so die Ausreise in den Westen zu erzwingen. Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin war 1989 die erste Botschaft, die schließen musste. Und es war nicht das erste Mal: Schon 1984 wurde die Vertretung der Bundesrepublik geschlossen. Damals hatten 55 DDR-Bürger Zuflucht vor der SED-Diktatur gesucht.

Nach einem Monat verließen die Bürger 1989 die Ständige Vertretung, zwar mit zugesprochener Straffreiheit, aber ohne Ausreisegenehmigung. Ihnen wurde jedoch eine Prüfung der Ausreisedokumente zugesichert. Obwohl die Ständige Vertretung dann am 8. September wieder handlungsfähig war, blieb sie geschlossen. Es bestand die Befürchtung, dass weitere DDR-Bürger auf diesem Wege versuchen würden, nach Westdeutschland zu gelangen.

So blieb die Ständige Vertretung geschlossen und öffnete erst wieder nach dem Mauerfall. Die DDR-Bürger, die sich in der Hannoverschen Straße für den Monat verschanzt haben, mussten nur zwei Monate warten, bis der Weg nach Westdeutschland für sie und alle anderen Bewohner Ost-Berlins frei war.

Am 2. Oktober 1990, einen Tag vor der Wiedervereinigung zwischen Ost und West wurde die Ständige Vertretung in Ost-Berlin endgültig geschlossen.