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Anmerkungen zum Bush-Hitler-Vergleich von Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD)

Däubler-Gmelin hat Zitat autorisiert

"Unser Bericht am Donnerstag über die Äußerungen von Herta Däubler-Gmelin vor rund 30 Metallgewerkschaftern in der Derendinger Sportgaststätte ('Bush will ablenken - Däubler-Gmelin: Beliebte Methode seit Hitler') hat verständlicherweise größte innen- und außenpolitische Kreise gezogen ... Michael Hahn [Redakteur des Tagblatts] hat ihre Sätze in der Diskussionsveranstaltung getreulich mitgeschrieben. Als im Zusammenhang mit Bush das Wort Hitler fiel, regte sich Unruhe unter den Zuhörern. Die Redaktionskonferenz, der Hahn noch ganz unter Schock davon berichtete, verstand die Welt nicht mehr … Wir wollten, wie gesagt, das Berichtete nicht wahrhaben und beschlossen, Michael Hahn solle sich sicherhaltshalber bei einigen Teilnehmern der Diskussion, von denen die meisten der SPD-Politikerin nahe stehen, telefonisch rückversichern, dass auch sie gehört haben, was er gehört hat. Das Ergebnis war peinliche Verlegenheit bei den Befragten, sie hätten ihre Herta nicht unbedingt so verstanden, als wolle sie Bush und Hitler direkt vergleichen, aber die Sache mit dem Adolf sei unüberhörbar so gewesen. Doch man solle die Affäre, bitte sehr, wenn irgend möglich nicht so hoch hängen, das sei nur willkommenes Futter für den politischen Gegner. Zwei der Betriebsräte kamen kurz darauf in die Redaktion, um noch einmal mit uns zu sprechen: Sie wollten das Schlimmste abwenden, bestätigten aber die hochbrisante Wortwahl ihres Diskussionsgastes, auch am Donnerstag noch einmal im Fernsehen.

Die beiden ... gingen anschließend ins Tübinger SPD-Büro, um dort ihre Gewissensbisse loszuwerden. Die Folge: Herta Däubler-Gmelin rief Michael Hahn an und drohte postwendendes Dementi an, falls er schreiben werde, sie habe Bush mit Hitler verglichen. Unser Redakteur - ich saß daneben - fragte, wie sie denn meine, dass sie es gesagt habe und er werde dann dies als von ihr quasi letztgültig autorisierte Fassung ins Blatt bringen. Und so wollte sie sich an das Gesprochene erinnern - wörtlich so hat es Hahn aufgeschrieben und ihr nochmals langsam vorgelesen: 'Bush will von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Das ist eine beliebte Methode. Das hat auch Hitler schon gemacht'."
In: Schwäbisches Tagblatt (Tübingen) vom 20.09.2002

"Der Sprecher von US-Präsident Bush, Ari Fleischer, sagte, die USA und Deutschland hätten langjährige und starke Beziehungen. ‚Aber diese Äußerung der Justizministerin ist empörend und unverständlich'.

In einer schriftlichen Erklärung des in Los Angeles ansässigen jüdischen Simon-Wiesenthal-Zentrums hieß es ebenfalls, man sei ‚empört, dass eine solch respektierte und gedankenvolle Vertreterin der deutschen Regierung die Strategie oder den Inhalt der US-Politik gegenüber dem Massenmörder Saddam Hussein mit Adolf Hitler vergleicht'.

Die Organisation ‚Anti-Defamation League', die gegen Antisemitismus kämpft, sprach von einer ‚entsetzlichen' geschichtlichen Ignoranz und rief Schröder auf, Däubler-Gmelin offiziell zu rügen und sich bei Bush sowie dem amerikanischen Volk zu entschuldigen".
In: dpa vom 20.09.2002

"Gleich wer demnächst Bundeskanzler ist - Frau Däubler-Gmelin kann, wird dem nächsten Bundeskabinett nicht mehr angehören. Auch ein Bundeskanzler Schröder, der vorrangig eigene Scherben kitten müßte, kann eine Ministerin nicht wiederberufen, die offenbar ihre Zunge nicht zu zügeln vermag, ja darüber hinaus in einem Denken gefangen scheint, das mit Deutschlands außenpolitischem Interesse nicht in Übereinstimmung zu bringen ist. Sie will zwar nicht gesagt haben, was ihr zugeschrieben wird, aber ihre wechselhaften Schutzbehauptungen sind nicht geeignet, die Vorwürfe zu entkräften".
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.09.2002

"Für Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin muss man sich als Deutscher schämen. Das Mitglied der Bundesregierung hat sich in einer Weise gehen lassen, die von historischer Einfalt und bündnispolitischer Tollheit zeugt. Ein deutsches Regierungsmitglied im Kampf gegen einen amerikanischen Präsidenten in der Rolle des Staatsanwalts, Richters und Vollstreckers - das ist diplomatisch unübertroffen und hoffentlich nicht der neu-berlinische deutsche Weg".
In: Rheinische Post (Düsseldorf) vom 20.09.2002

"Wenn die Ministerin … in diesem Zusammenhang auf Hitler rekurriert und darauf hingewiesen haben sollte, dass es solche Ablenkungsmethoden seit Adolf Hitler gebe, dann ist das erstens falsch, zweitens töricht und drittens außerordentlich unbedarft. Falsch ist das, weil diese Methoden nicht erst Hitler erfunden hat; sie lassen sich schon in der Antike nachweisen. Zweitens ist der Hinweis auf Hitler töricht, weil die Monströsität seiner Verbrechen jede Bezugnahme in einem aktuellen politischen Kontext verbietet. Und drittens ist die Erwähnung Hitlers im Zusammenhang mit einer kritischen Reflexion über US-Außenpolitik außerordentlich dumm, weil man wissen muss, wie schnell andere solches Reden in den falschen Hals kriegen".
In: Süddeutsche Zeitung vom 20.09.2002

"Den Anti-Amerikanismus hat jetzt auch Justizministerin Däubler-Gmelin bedient - mit ihrem unsäglichen Vergleich der Methoden des amerikanischen Präsidenten mit denen Hitlers. Hitler war ein Verbrecher, und seine Methoden waren verbrecherisch. Jede Parallele zwischen Hitler und Bush ist deshalb ebenso abwegig wie beleidigend. Ein Kabinettsmitglied, das solche Vergleiche anstellt und sich nicht entschuldigt, gehört entlassen - wenn nicht vom Kanzler dann vom Wähler".
In: Bild Zeitung (Berlin) vom 20.09.2002

"Alle nachträglichen Rechtfertigungen machen diese Beleidigung und Taktlosigkeit, Bush auch nur in die Nähe von Hitler zu bringen, nicht ungeschehen. Wer so redet, der ist kein kühler Wahltaktiker mehr wie Schröder, sondern dem liegt das Herz auf der Zunge, der sagt was er wirklich denkt. Das ist schlimm, Frau Justizministerin! Man wird in den amerikanischen Zeitungen bald lesen dürfen, wie ernst das politische Amerika diese Entgleisungen, ja, diesen schleichenden Verrat der Deutschen nimmt. Wohl wissend, dass dies alles nach dem 22. September eben nicht beendet sein wird".
In: Die Welt vom 20.09.2002

"Herta Däubler-Gmelin verstärkt alle Vorbehalte, in den USA und hier, gerade in dieser angespannten Lage. Ausgerechnet die Bundesministerin der Justiz, die für die Rechtskultur verantwortlich ist und wichtig fürs abgewogene Urteil in Staatsangelegenheiten. Ihr Amtseid fordert, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Däubler-Gmelin hat ganz offenkundig Schaden angerichtet, und zwar in einer Weise, der ein klarer Grund für den Rausschmiss wäre. Aber wahrscheinlich denkt sich der Kanzler am Ende: Das lohnt nicht mehr. Die paar Tage".
In: Der Tagesspiegel (Berlin) vom 20.09.2002


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