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08.12.2004 | Maria Böhmer

Bildungspolitik

PISA-Koordinator Schleicher irrt!

Zur Veröffentlichung der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" erklärt die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Prof. Dr. Maria Böhmer MdB:

Bereits seit Veröffentlichung der ersten PISA Studie im Jahr 2001 ist bekannt, dass der für Bildungsstatistiken und -indikatoren zuständige Referatsleiter der OECD, Andreas Schleicher, kein Freund des deutschen Bildungssystems ist. Bisher hat er weder eine wertungsfreie Analyse der vorhandenen Daten vorgelegt noch eine wissenschaftlich belastbare Ursachenforschung für die festgestellten Mängel des deutschen Schulsystems. Deswegen: Schleicher hat keinen Anspruch auf die Deutungshoheit über PISA.

Gesamtschule ist das Problem, nicht die Lösung

Die PISA-Ergebnisse für Deutschland werden auf die zu simple und damit falsche Erkenntnis reduziert, das gegliederte Schulsystem verantworte das bundesweit gesehen durchschnittliche Abschneiden der getesten 15-jährigen Schülerinnen und Schüler. Schleicher wiederbelebt damit den Grundsatzstreit, der Deutschland in den siebziger und achtziger Jahre keinen Millimeter weiter, wohl aber viel Geld, Kraft und Zeit gekostet hat. Sein Plädoyer wird sofort von den sozialdemokratischen Bildungsministerinnen Bulmahn und Erdsiek-Rave (Schleswig-Holstein) als Argument für die Gesamtschule (Einheitsschule, "Schule für alle") aufgenommen. Deutschlands PISA-Verantwortlicher, der Kieler Wissenschaftler Manfred Prenzel, will aus seiner Studie nicht die Empfehlung für eine "Schule für alle" ableiten. Auch der von der Kultusministerkonferenz zum neuen Leiter des Institutes für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen bestimmte Bildungsforscher Olaf Köller sieht in der Differenzierung nicht das Problem.

Die PISA 2003 - Ergebnisse zeigen eindrucksvoll die Überlegenheit von Gymnasien und Realschulen im Vergleich zu integrierten Gesamtschulen:

1. Der Abstand der Mathematikleistungen zwischen Gymnasien und integrierten Gesamtschulen beträgt in allen vier sogenannten ESCS-Gruppen (geordnet nach ökonomischem, sozialem und kulturellem Status) zwischen 138 Punkten und 87 Punkten (50 Punkte entsprechen etwa dem Kompetenzzuwachs eines Jahres).

2. Realschüler erreichen in allen Bereichen bessere - zum Teil erheblich bessere - Leistungen als Schüler integrierter Gesamtschulen.

Es ist richtig: Die Wahl der Schulform - die wiederum den mathematischen Kompetenzerwerb beeinflußt - hängt in Deutschland stark von der sozialen Herkunft ab. Diesen Zusammenhang gibt es in anderen OECD-Teilnehmerländern auch, teilweise (Beispiel: Belgien) noch stärker, dennoch gilt es, diesen Zusammenhang zu lockern.

Die richtigen Maßnahmen sind:

. eine verbesserte frühkindliche Bildung

. eine bessere Zusammenarbeit von Grundschule und Eltern (deren eigene Schulkarriere zu oft auf das Kind
übertragen wird)

. flexiblere Übergänge zwischen den Schulformen.

Hauptschule wieder zur Hauptschule machen

Gezielt greift Frau Bulmahn die Hauptschule an. Die Hauptschule wird als "Restschule" stigmatisiert. Ihr Auftrag, eine allgemeine Bildung, die sich an lebensnahen Lernsituationen, an konkreten Aufgabenstellungen und am praktischen Handeln orientiert, zu vermitteln, wird diskreditiert. Statt die Hauptschule zu stärken, wird sie auf Kosten ihrer Schüler schlechtgeredet - und ihre Pädagogen werden frustriert.

Wer Hautpschule richtig macht, Hessens SchuB (Schule und Betrieb)-Klassen sind hier besonders vorbildlich, der kann vielen Jugendlichen einen Weg für eine gelungene Bildung aufzeigen. Wer, wie Frau Bulmahn, Hauptschule schlechtredet, der ruiniert nicht nur ihren Ruf, sondern den der vielen Tausend Hauptschüler gleich mit.

 

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