Die europäischen Staaten seien ein Ort, wo es möglich sei, derartige Zeichnungen zu veröffentlichen, sagte Merkel. "Egal, ob wir die Karikaturen geschmackvoll finden oder nicht, ob wir sie für nötig oder hilfreich halten - oder eben nicht." Dies widerspreche keinesfalls der Tatsache, dass Europa auch ein Ort sei, an dem Freiheit und Religion ein hohes Gut seien. In diesem Zusammenhang verurteilte Merkel die Ankündigung radikaler Christen in den USA, den Koran öffentlich zu verbrennen. "Das ist schlicht respektlos. Abstoßend - einfach falsch."
Merkel sprach sich deutlich für Toleranz aus - aber auch für Verantwortung. "Die Arbeit eines Zeichners und die Folgen, die sie haben, sollten uns mahnen, stets sorgsam mit unseren Einordnungen umzugehen", sagte Merkel. Wie heftig Diskussionen oder Massenprotest aber auch sein mögen - dies könne nicht alleiniges Kriterium für die Entscheidung sein.
Kurt Westergaard bedankte sich in seiner Rede mit eindrücklichen Worten für die Verleihung des Preises. "Es ist ein großer Tag für mich. Danke, Angela Merkel, für Ihre warmen, starken Worte, ich werde diesen Tag nie vergessen. Ich danke meiner Frau für die große Solidarität, mit der sie in all den Jahren zu mir gestanden hat. Meine Reaktion auf den Hass, der mir entgegenschlägt, ist Wut. Das ist ein gutes Gefühl. Ich bin kein gewalttätiger Mann, aber ich brauche diese Wut als Schutzwall meiner Seele."
Die Veröffentlichung von Westergaards islamkritischen Karikaturen führte 2005 zu wütenden Protesten in mehreren islamischen Ländern, bis zu 150 Menschen starben. Der Zeichner erhielt ungezählte Morddrohungen und entging Ende 2009 nur knapp einem Anschlag.