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31.07.2010 | CDU | Duisburg |

Loveparade-Tragödie

"Trauer und Verzweiflung halten uns wie Ketten gefangen"

Mit einem bewegenden Gottesdienst ist in der Duisburger Salvatorkirche der 21 Opfer der Massenpanik auf der Loveparade vor einer Woche gedacht worden. 500 Trauernde, darunter mehr als einhundert Angehörige, Hilfs- und Rettungskräfte, hatten sich in der Salvatorkirche versammelt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff nahmen an der Trauerfeier teil.
Brennende Kerzen und Grablichter Zeichen der Trauer in der Nähe des Unglücksortes.

Zu den Trauergästen zählten ferner Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Außenminister Guido Westerwelle. Auf Leinwänden wurde die Veranstaltung in die Duisburger MSV-Arena sowie in mehrere Kirchen und Orte der Stadt übertragen.

Zu Beginn der Trauerfeier wurden eine Kerze und ein Kondolenzbuch vom nahe gelegenen Unglücksort zum Altar der Salvatorkirche gebracht. Den ökumenischen Gottesdienst leiteten der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und Präses Nikolaus Schneider, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

In seiner Predigt sagte Schneider, die Loveparade sei zum "Totentanz" geworden. "Mitten hinein in ein Fest überbordender Lebensfreude hat der Tod uns allen sein schreckliches Angesicht gezeigt. Trauer und Verzweiflung, Hilfslosigkeit und Wut halten uns wie Ketten gefangen." Die Katastrophe dränge die Frage auf, warum Gott ein solches Ereignis zugelassen habe. Schneider verwies auf den Glauben: Gottvertrauen bewahre uns nicht vor Schmerzen und Tränen. Aber der Glaube schenke die Gewissheit, "dass Gott unsere Schmerzen mitfühlt und unsere Tränen zählt". Stärker als der Tod sei Gottes Liebe. Schneider schloss mit den Worten: "Das Leben, das Gott uns schenkt, ist stärker der Tod. Verlasst Euch darauf. Auch heute."

Bischof Franz-Josef Overbeck erinnerte in seiner Predigt an den brutalen Gegensatz, der in der Katastrophe einen so jähen Ausdruck gefunden habe: "In dem einen Moment ist Party angesagt und im anderen Moment liegen wir hilflos am Boden. Wir möchten das Leben gerne sicher steuern und haben es doch nicht im Griff. Trotz unserer Hoffnungen sind wir dem Schicksal oft hilflos ausgeliefert." Das Leid werde noch lange währen. Auch Overbeck mahnte, dass Gott uns nicht vor diesem und vor anderem Leid bewahre, aber dass er dennoch für uns da sei. "Die Liebe ist stärker als der Tod. Und sie trägt durch die Schrecken dieser Tage hindurch."

Nach den Predigten zündeten Rettungskräfte, Notfallseelsorger und andere Einsatzkräfte für jeden der 21 Verstorbenen eine Kerze an. Ohne ihre Bewegung zu verbergen, wandte sich schließlich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft an die Trauernden. Es sei schwer, angesichts des Todes Worte zu finden, sagte sie. Das Leben junger Menschen sei grausam und jäh beendet worden, sie seien aus ihren "Hoffnungen und Träumen, aus ihren Zukunftsplänen, Familien und Freundeskreisen" gerissen worden. "Sie alle hatten ihre ganze Zukunft noch vor sich." Es sei nicht leicht, angesichts des großen Leids Trost zu finden und Trost zu spenden. Zugleich versicherte sie: Allen Betroffenen sei man schuldig, das "Geschehene und Unfassbare" lückenlos aufzuklären.

Guido Speiser

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