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08.03.2010 | Annette Schavan |

Soziales / Bildung

"Wir wollen mehr Bildungsgerechtigkeit"

Bildungsministerin Annette Schavan will Kindern von Hartz-IV-Empfängern künftig auch Bildungsgutscheine anbieten. "Wir wollen mehr Bildungsgerechtigkeit", sagte Schavan der "Passauer Neuen Presse". Dies bedeute, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu kulturellen Förderangeboten oder Nachhilfe zu ermöglichen. "Wir arbeiten an einem Konzept für lokale Bildungsbündnisse und Bildungsgutscheine", betonte die CDU-Politikerin. Zugleich machte sie deutlich, dass für die Bildungsoffensive bereits finanziell Vorsorge getroffen worden sei.
Bildungsministerin Annette Schavan Schavan: "Schule ist und bleibt Ländersache".

Lesen Sie hier das Interview mit Annette Schavan:

Passauer Neue Zeitung: Immer neue Missbrauchsfälle: Wie können Kinder und Jugendliche besser geschützt werden?
Annette Schavan: Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder in pädagogischen Einrichtungen in guter Obhut sind. Dazu gehört eine Atmosphäre des Respekts und der Wertschätzung. Dazu gehören auch Pädagogen, die nicht nur fachlich gut sind, sondern auch einen klaren Kompass haben und persönliche Reife besitzen, die dem Vertrauen gerecht wird, das ihnen seitens der Kinder und Jugendlichen entgegengebracht wird. Und jetzt muss vor allem alles lückenlos aufgearbeitet werden.

PNP:  Was kann die Politik tun, um solche Übergriffe zu verhindern?
Schavan: In den nächsten Tagen werde ich mit dem Präsidenten der Kultusministerkonferenz und den Lehrerverbänden darüber sprechen, was über die Aufklärung hinaus getan werden kann, um Vertrauen wieder herzustellen.

PNP:  Wäre die Verlängerung der Verjährungsfristen für solche Straftaten eine wirksame Maßnahme?
Schavan: Ja, schon deshalb, weil die bisherige Erfahrung lehrt, dass über Missbrauch erst nach vielen Jahren gesprochen wird und die Täter womöglich straffrei bleiben.

PNP:  Spätrömische Dekadenz, schärfere Sanktionen oder höhere Regelsätze für Langzeitarbeitslose - seit Wochen wird über Hartz IV und die Zukunft des Sozialstaats gestritten. Was hat die Debatte bewirkt?
Schavan: Die Debatte war in Teilen nicht hilfreich, zumal wir im Koalitionsvertrag bereits ziemlich klare Impulse gesetzt haben. Wir wollen mehr Bildungsgerechtigkeit.

PNP:  Das klingt sehr abstrakt. Welche Maßnahmen wollen Sie konkret auf den Weg bringen?
Schavan: Bildungsarmut ist sehr konkret und vielfach beschrieben worden. Kinder und Jugendliche sind davon betroffen, die trotz vieler Bildungsangebote keinen wirklichen Zugang dazu finden. Deshalb bedeutet mehr Bildungsgerechtigkeit vor allem, den Zugang zu kulturellen Förderangeboten oder Nachhilfe. Wir arbeiten an einem Konzept für lokale Bildungsbündnisse und Bildungsgutscheine.

PNP:  Wird der Bund zusätzliches Geld für die geplante Initiative in die Hand nehmen?
Schavan: Dafür ist finanziell Vorsorge getroffen: Im Koalitionsvertrag ist vereinbart worden, dass wir zwölf Milliarden Euro zusätzlich investieren wollen - sechs Milliarden in Bildung und sechs Milliarden in die Forschung. Daraus ist die Finanzierung der Initiative gegen Bildungsarmut vorgesehen.

PNP:  In der Vergangenheit gab es stets Streit, wann immer sich der Bund in Bildungsfragen eingemischt hat.
Schavan: Schule ist und bleibt Ländersache. Das stellt niemand in Frage. Wir konzentrieren uns auf bestimmte Altersgruppen und Netzwerke, die nötig sind, um die Chancen in der Schule zu verbessern. Bildung ist mehr als Schule. Und im Übrigen interessieren sich die Bürgerinnen und Bürger für Zuständigkeiten überhaupt nicht.

Mit Bundesbildungsministerin Annette Schavan sprach Rasmus Buchsteiner. In: Passauer Neue Presse vom 08.03.2010.

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