V.l.n.r.: Dr. Joachim Ragnitz (stv. Geschäftsführer des ifo-Instituts), Ministerpräsident Dieter Althaus, Alexandra Gerlach (Moderatorin, Deutschlandfunk), Walter Botschatzki (Geschäftsführer Multicar, Waltershausen)
Unternehmer Botschatzki konnte das aus der Praxis bestätigen: "Früher war das Problem, dass wir zu wenig Arbeitsplätze für Jugendliche hatten. Das hat sich nun völlig geändert: uns fehlen die Auszubildenden und die Fachkräfte." Deshalb forderte er eine Stärkung des betriebsnahen dualen Ausbildungssystems, wie es im Antrag "Geteilt. Vereint. Gemeinsam. Perspektiven für den Osten Deutschlands." beim Bundesparteitag im Dezember verabschiedet werden soll. Betriebliche Ausbildung müsse wieder Vorrang vor staatlichen Maßnahmen haben, so der Unternehmer.
Der stellvertretende Geschäftsführer des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in Dresden, Joachim Ragnitz, forderte, die wirtschaftlichen Innovationen in den neuen Bundesländern zu fördern. Hierin stecke ein unglaubliches Potenzial. Thüringen ist Nummer eins bei der Entwicklung und Produktion erneuerbarer Energien. Eine Tatsache, auf die Ministerpräsident Althaus sehr stolz ist: "Wir sind Technologieführer und Spitzen-Cluster in diesem ökologisch und ökonomisch existenziellen Wirtschaftsbereich."
Die Diskutanten waren sich einig, dass diese Entwicklung nach 40 Jahren Planwirtschaft und nur 18 Jahren sozialer Marktwirtschaft enorm sei. Unternehmer Botschatzki lobte den Einsatz: "Die Menschen in Ost und West müssen stolz auf diese Leistung sein." Jetzt gehe es aber darum nach vorn zu blicken und diese Leistungen auch zu kommunizieren. Botschatzki befürwortete ein stärkeres Marketing, das Politik und Wirtschaft gemeinsam initiieren und vorantreiben müssten. "Viele Unternehmer und Fachkräfte in Westdeutschland kennen unsere Regionen gar nicht", bestätigte Althaus das Problem. Andererseits würden noch immer viele in den Neuen Ländern ausgebildete Arbeitskräfte in den Westen abwandern. "18 Jahre Wiedervereinigung wiegen eben keine 40 Jahre Sehnsucht nach dem Westen auf", sagte Althaus. Daran müsse dringend etwas geändert werden. Er forderte auf, die positiven Entwicklungen stärker in den Vordergrund zu stellen, statt nur die negativen.
Nach der Finanzmarktkrise befragt reagierte Althaus beruhigend. Aufgrund des breit aufgestellten Mittelstands in seinem Bundesland gehe er davon aus, dass die Auswirkungen auf Thüringens Wirtschaft nur gering seien. Ähnlich sah das auch Multicar-Geschäftsführer Botschatzki: "Die mittelständische Kultur in Thüringen wird uns in der Krise helfen." Auch Wissenschaftler Ragnitz warnte vor unnötiger Panik.
