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06.09.2007 | Wolfgang Schäuble

Innere Sicherheit

Schäuble: "Wir waren nah an der Katastrophe"

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble warnte nach der Festnahme von drei Terrorverdächtigen vor einer Gefahr durch radikale Konvertiten zum Islam. "Man denkt, wer hier aufwächst und die großen Vorteile unserer freien Gesellschaft genießt, ist immun. Aber einige sind für Radikalisierung empfänglich", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung. Dies seien gefährliche und fanatische Leute mit hoher krimineller Energie, fügte er hinzu. Ausdrücklich lobte Schäuble die Arbeit der Polizei.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble Wir brauchen bessere technische Aufklärungsmöglichkeiten.

Lesen Sie hier das Interview von Wolfgang Schäuble:

Bild: Herr Minister, wie dicht ist Deutschland an einer Terror-Katastrophe vorbeigeschrammt?
Wolfgang Schäuble: Jede Anschlagsvorbereitung bringt uns in die Nähe einer Katastrophe. Bei den Kofferbombern im vergangenen Jahr war es Glück, weil die Sprengsätze nicht funktionierten. Diesmal war es die hervorragende Arbeit unserer Sicherheitsbehörden, die uns vor der Anschlagsserie bewahrt hat. Wenn Sie so wollen: das Glück der Tüchtigen.

Bild:  Reichen unsere Gesetze gegen den Terror aus, oder brauchen wir noch schärfere?
Schäuble: Es ist noch zu früh, das jetzt zu sagen. Aber eines ist klar: Wir müssen unsere technischen Aufklärungsmöglichkeiten im terroristischen Bereich ständig verbessern, um die Verbrechensplanungen zu erkennen.

Bild:  300 Polizisten haben 6 Monate rund um die Uhr ermittelt. Ist unsere Polizei für solche Mega-Einsätze auf Dauer gerüstet?
Schäuble: Solche Einsätze über viele Monate bringen jedenfalls die beteiligten Beamten an die Belastungsgrenze. Aber ein Vorteil der guten Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern liegt eben auch darin, dass alle Polizeibehörden ihre Kräfte bündeln können.

Bild:  Gehen Sie davon aus, dass bei uns weitere Anschläge geplant werden?
Schäuble: Dafür haben wir keine konkreten Anhaltspunkte. Aber wir müssen wachsam bleiben.

Bild:  Ein junger Deutscher tritt zum Islam über - und wird Terrorist. Können Sie sich das erklären?
Schäuble: Eine einfache Erklärung dafür gibt es nicht. Man denkt, wer hier aufwächst und die großen Vorteile unserer freien Gesellschaft genießt, ist immun. Aber einige sind für Radikalisierung empfänglich. Das sind gefährliche, fanatische Leute mit hoher krimineller Energie. Das besorgt mich sehr.

Mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sprachen R. Kleine und J. Meyer. In: Bild-Zeitung vom 06.09.2007.

 

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